Märkische Allgemein vom 21.12.2016

Der Hammer: 900 Euro von Schmieden

Interessengemeinschaft nimmt 900 Euro für Förderverein Waldschule Zootzen ein – Wunsch nach Rückkehr

Das Eisen war noch gar nicht richtig kalt, da lagen die Geldscheine schon in der Sammelbox. Hufeisen, Schlangen aus Metall, Herzen oder sonstige Künststückchen zauberten die Hufschmiede aus Berlin und Brandenburg bei der Hippologica mit dem Hammer und am Amboss nebenbei aus dem Ärmel – und nahmen von den Gästen einen Obolus dafür. Auch für die sogenannte Turnierbereitschaft bei der Messe in Berlin – zum Beispiel verpassten die Schmiede den Pferden bei Bedarf ganz schnell neue Hufeisen – nahmen sie Geld ein. Nur nicht für sich. „Wir haben uns in diesem Jahr für den Förderverein Waldschule Zootzen entschieden“, sagte Olaf Peter aus Gransee. Er ist der Vorsitzende der Interessengemeinschaft der Berlin-Brandenburger Hufschmiede. 915,60 Euro wurden Vertretern des Fördervereins am letzten Tag der Hippologica (Sonntagabend) übergeben.

Für Petra Hesse – als Vorstandsmitglied für die Finanzen verantwortlich – ein Segen. Der Verein kann das Geld sehr gut gebrauchen. Bei seiner Gründung 1993 hatte er sich die Unterstützung des Schullandheims Zootzen auf die Fahne geschrieben, um zum Erhalt der Einrichtung beizutragen. Selbst nutzte der Verein das Objekt mitten in der Natur für die monatlichen Kinder- und Jugendveranstaltungen mit Schwerpunkt Naturschutz, Biologie und Mathematik. „Bis Anfang dieses Jahres. Dann wurde das Schullandheim von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen bezogen. Und wir waren raus“, sagt Petra Hesse. Für die Kinder- und Jugendarbeit musste sich der Verein nach anderen, teureren Unterkünften umsehen. In Kunsterspring (Ostprignitz-Ruppin) oder Brückentin (Mecklenburg-Vorpommern) zum Beispiel. Das Feriencamp wurde in diesem Jahr in Neuglobsow durchgeführt. „Wir wollen mit dem Geld von den Hufschmieden versuchen, die Beiträge für die Kinder für die Wochenendveranstaltungen stabil zu halten“, sagt Petra Hesse. Denn die Angebote sollen bestehen bleiben.

Vielmehr erhofft sie sich mit den 90 Vereinsmitgliedern, dass der Waldhof künftig wieder umgenutzt wird. Genau wie Olaf Peter glaubt sie, dass der Standort für Flüchtlinge nicht geeignet sei. Fernab sei eine Integration schwer möglich. Die Lehrerin hält es für wenig sinnvoll, die jugendlichen Flüchtlinge in Zootzen dauerhaft unterzubringen. Sie favorisiert die Variante, dass die Flüchtlinge nahe der Schulen angesiedelt werden sollten. „Sie werden ja sowieso aus Zootzen bis zur Schule gefahren. Es wäre doch viel besser, wenn sie gleich am Standort leben.“ Sie meint damit insbesondere das Internat vom Oberstufenzentrum in Zehdenick. Das sei nicht mehr komplett mit anderen Flüchtlingen bewohnt und könne daher so genutzt werden. „Dort hätten sie zudem viel besseren Kontakt zu den Deutschen als in Zootzen, wo die nächste Stadt sechs Kilometer entfernt liegt.“

Der Förderverein Waldschule Zootzen e. V. hatte bereits zu Jahresbeginn einen offenen Brief geschrieben. Dort heißt es unter anderem: „Mit dem Schullandheim Waldhof hat der Landkreis ein Objekt in seiner Verantwortung, das wie kaum eine andere Einrichtung auf die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen zugeschnitten ist. Der Waldhof ist ein außerschulischer Lernort, Herberge für Kinder- und Jugendgruppen, Ort für Seminare und Veranstaltungen, ein Rückzugsort mitten in der Natur – und nicht zuletzt Heimat unseres Vereins mit 90 Mitgliedern und über 20 Jahren Erfahrung bei der Umsetzung von Projekten mit Kindern und Jugendlichen.“

Die Hufschmiede mussten nicht lange nachdenken, als ihnen Olaf Peter die Unterstützung des Vereins schmackhaft machte. „Es waren alle dafür!“ Die Einnahmen spendierten die 23 staatlich anerkannten Hufschmiede mit ihren Mitarbeitern vor Ort sehr gern. Zum achten mal haben sie bereits gemeinnützige Vereine unterstützt. Der Förderverein Waldschule Zootzen ist der erste Verein aus Oberhavel, der das Geld bekommt. Die 915,60 Euro sind zugleich die höchsten Einnahmen, die bislang auf der Hippologica zusammenkamen.

Stefan Blumberg

Reporter

Märkische Allgemeine Zeitung

Mittelstraße 15

16515 Oranienburg

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